Prof. Dr. Gunter M. Hoffmann Hintergrund Prof. Dr. Gunter M. Hoffmann Hintergrund Prof. Dr. Gunter M. Hoffmann Hintergrund Prof. Dr. Gunter M. Hoffmann Hintergrund
gunter-m-hoffmann-de

17. September 2014

Fehlgeschlagener Unternehmenskauf und Managerhaftung

Aktuell aufgearbeitete Fehlschläge bei Unternehmenskäufen (so der Kauf der Hypo Alpe Adria durch die BayernLB 2007) lassen erneut die Frage aufkommen, in welchem Umfang Manager eines Unternehmens für Fehlschläge bei Unternehmenskäufen einstehen müssen (sog. Managerhaftung). Im Zentrum steht dabei die sog. Business Judgement Rule, also der Kauf durch das Käuferunternehmen aufgrund einer verantwortlichen Entscheidung seines Leitungsorgans. Nach noch herrschender Ansicht unter Rechtsexperten setzt der Kauf eines anderen Unternehmens nicht zwingend eine sog. Due Diligence voraus. Problematisch hieran ist jedoch, daß bereits der Begriff der Due Diligence, wie vieles aus dem US-amerikanischen Recht, schwammig ist und es keinen Standard bei solchen Prüfungen gibt. Vielmehr werden auch erheblich eingeschränkte Unternehmensprüfungen in der Praxis als Due Diligence bezeichnet. Andererseits soll regelmäßig dann eine Due Diligence durchgeführt werden müssen, wenn sich hierzu Anhaltspunkte bei der ersten Sichtung der Verkäuferunterlagen herausstellen oder hätten herausstellen müssen. Auch wird das Erfordernis einer solchen Prüfung letztlich vom finanziellen und wirtschaftlichen Risiko des Kaufs für das Käuferunternehmen abhängig gemacht.

Gerade im Fall des Kaufs der Hypo Alpe Adria durch die BayernLB im Jahr 2007 soll nur eine Due Diligence von wenigen Tagen der Kaufentscheidung vorangegangen sein. Dies indiziert zumindest, daß hier ein Verstoß gegen die Business Judgement Rule und damit ein Fall von Managerhaftung vorliegen könnte. Demgemäß hat dann auch das Landgericht Klagenfurt Vorstände der Hypo Alpe Adria wegen Untreue verurteilt. Ähnliche Verfahren sind in München gegen Ex-Vorstände der BayernLB anhängig. Im Ergebnis gilt, daß ein Unternehmenskauf idR nur mit einer angemessenen Prüfung der wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse durchgeführt werden darf. Anderes gilt nur in Ausnahmefällen, wenn etwa die Due Diligence schon teurer ist als das Risiko eines Fehlkaufs.